Der Weg ist das Ziel

Posted by on December 8, 2011

Es ist der zehnte elfte zweitausendundelf: Der erste Monat ist rum, die Zeit verfliegt und die ersten Wochen waren intensiv in jeder Hinsicht. Nichtsahnend stürzten wir uns arbeitsam in den Donnerstag als uns eine Offer von Heather erreichte:
Nicer Trip zu Heathers Tochter nach Mozambik…  ach nee, doch lieber nach Namibia und sofort losfahren… oder lieber doch an die Wild Coast???
Vorfreude und Verwirrung.
Am Ende siegt die Vernunft, dass wir die paar Tage nicht nur der Fahrerei oder der Hitze widmen wollen. Steve hat die  Idee , mit ein paar Volonteers an die Wild Coast zu fahren, zu einem Kumpel von ihm, der einen Backpacker in Strandnähe besitzt. Abmachung: Abfahrt am Freitag um 8:00. Aussicht auf Wellen, Nichtstun und unberührte Natur. So soll es sein, let’s go!

Freitagmorgen
Als wir gerade eine Stunde vorher aufgestanden sind, erreicht uns die SMS: „Wird nichts vor halb neun“.  Doch noch genug Zeit den Rucksack durchzugehen und eine Scheibe Toast mehr zu essen.

8:30
Irgendwie sieht‘s auf dem Parkplatz noch recht ruhig aus. Ahh.. dort ist Steve.  Er kommt uns mit der Prognose entgegen, dass das ganze wohl noch etwas länger dauern wird. Derweil packen wir alles in Heathers Auto während sie organisierend im Schlafkostüm herumwirbelt.

10:00
Ja es ist soweit wir kriechen ins Auto und sind urlaubsreif. Nur noch schnell einen Zwischenstop bei SUPERSPAR um fertigmariniertes Fleisch abzuholen. Der Teufel steckt im Detail. Die Mitarbeiter hatten natürlich das Fleisch noch nicht ganz fertig. Da brat mir doch einer nen Storch…

10:45
Der Motor startet just in dem Moment und die Gemüter lehnen sich beruhigt zurück.

11:11
Schickes Foto neben einer holzverarbeitenden Irgendwas-Fabrik. Die imposanten Rauchschwaden hängen über uns. Na dann: Helau und Kölle Allafff!

10:45 – 19:00
Wir fahren auf der Autobahn… Na ja, auf der afrikanischen Variante, das heißt, es können durchaus Menschen und Tiere auf der Straße herumlaufen.


Eine Kuh läuft direkt vor unseren Jeep, trotz glorreichem Bremsmanöver bekommt die Gute einen ordentlichen Schlag auf den Allerwertesten ab, sonst passiert aber nix. Das Auto hat ne Frontbeule mit brauner Farbe und wir haben einen kleinen Schrecken. Aber was soll’s, das ist hier normal, wir rollen weiter.

Nach circa 8 Stunden Autofahrt, 10 Spuckattacken von der armen Julia (Tochter von Dorota und Steve), zahlreichen wunderschönen Hügeln und Tälern der Transkei, Straßen aus schwarzer und blutroter Erde, erreichen wir in der Dunkelheit unsere letzte Etappe: Vier Kilometer Dirtroad bis zu unserer Unterkunft Wild Lubanzi.

Steve ist offrad-erprobt und meistert die Schlitterfahrt über schlammige Schlaglöcher und die steilen Abhänge mit Bravour. Der Puls geht trotzdem etwas schneller, nun sind wir wieder wach und werden herzlich im Backpacker empfangen.

Das Domizil ist sehr abgelegen und versorgt sich vollkommen autark. Es gibt einen gut bestückten Gemüsegarten, Strom nur abends, wenn der Benzingenerator eingeschaltet wird (aber bitte kein Fön benutzen) und Handy- bzw. Internetempfang ist nahezu unmöglich. Wasser schenkt der Regen. Reduktion, Rückbesinnung…

Wir wandern durch Täler, wir steigen auf Höhn…  
Lubanzi ist einfach ein Traum. Es gibt nicht viel zu sagen, außer dass die Worthülsen Sand, Strand und Meer hier ihre ursprünglichste Bedeutung zurückgewinnen. Beim Frühstücken gucken wir aus dem offenen Veranda-Essbereich des Backpackers auf ein Rudel Delfine, die im türkisblauen indischen Ozean spielen.

Dann geht es los mit Jenny, Moritz und drei anderen Gästen aus dem Backpacker und mit unserem Guide Prince zur Hikingtour (nein, nicht DER Prince, sondern ein Namensvetter aus dem Xhosa-Dorf). Er stellt uns mehreren Dorfbewohnern vor, wir können ihre Hütten besichtigen, lernen wie man Mehl und Rondavels herstellt und probieren das selbstgebraute, sehr gewöhnungsbedürftige Xhosa-Bier aus einer Art Milchtüte.

Es geht weiter zum Hole-in-the-Wall, ein sogenannter Felsen, in den die Wassergewalten ein Loch gebrochen haben.

Das Meer mündet in einen Fluss und bahnt sich den Weg ins Landesinnere. Am dortigen Strand machen wir neben den Kühen rast, die hier überall frei herumlaufen, hängen unsere Klamotten in einen Baum und springen ins blaugrüne Wasser.

Moritz, einem unserer Volonteerfreunde, ging es schon während der Wanderung nicht besonders gut. Magenprobleme und Übergeben- wahrscheinlich hat ihm das eigentümliche Xhosa-Bier noch den Rest gegeben. Nun liegt er schlapp am Strand. Steve ruft zufällig an, denn er steht mit Dorota, Julia, Heather und Patrick auf der anderen Seite der Flussmündung. Damit Moritz nicht den ganzen Weg zurücklaufen muss, liegt die rettende Idee nahe: Er und Samuel schwimmen die 10 Meter hinüber, um zum bequemeren  Jeep zu gelangen. Die anderen machen sich auf den Rückweg durch die atemberaubende Natur. Es geht durch Buschwerk, über steile Hänge, an Kühen, halbwilden Pferden und Mulis vorbei und über viele kleine Flussläufe, die uns lehren, dass Schuhe völlig überbewertet sind. Warum  wohl laufen die Kinder hier überall barfuß? Laut Prince sind wir in 45 Minuten zuhause. Hmm, hatte ich schon erwähnt, dass die Uhren hier anders ticken? Na ja, am Ende des Tages erreichen wir unser Zuhause, wir waren rund sieben Stunden unterwegs, man spürt die glückliche Erschöpfung und nun haben wir definitiv Hunger. Am Abend sitzen wir alle beim Brai zusammen, Gitattenmusik, gute Gespräche über Gott und die Welt und die Katzenbabys aus dem Backpacker spielen auf dem Boden.

Klingt nach kitschiger Lagerfeuerromatik, aber manchmal ist das Leben halt einfach nur schön.

Die nächsten Tage sind wir viel am Strand und in den Wellen verschwunden. Die Natur ist traumhaft. Ich konnte mir von der Volunteerin Kathi im Backpacker sogar ein Shortboard für umme ausborgen und hab die raren Wellen auf dem Brett stehend genießen dürfen…

Seht selbst:

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