In Afrika

Posted by on December 9, 2011

Reiselektüre gibt es genug. Kiloweise und meistens sch…e. Außerdem braucht man neben den staubtrockenen und allwissend anmutenden Lonely Planets, Marco Polos und ADACs etwas frische Luft und Abwechslung.
In Heinz Strunks “In Afrika” wird man ziemlich schnell fündig. Das Lesen fühlt sich streckenweise an, wie Kopf bei Gegenverkehr und 180 km/h aus dem Fenster halten. Da werden die guten Grammatikregeln und die gepflegte Schreibart zugunsten irrwitziger Wortneuschöpfungen und unkonventioneller Gedanken, sowie depressiven langweiligen Beobachtungen, Gedanken eingetauscht. Genial!

Die relativ leichte aber ungemein erheiternde Schrift schließt nach 268 Seiten. Die ersten 36 Seiten (zwei Kapitel) sind ganz schön dröge und man wird ziemlich in den depressiven Novemberalltag in Hamburg (unfreiwillig) entführt.
Doch dann startet Heinz mit seinem besten Freund C. in eine touristische Betonerholungsburg nach Kenia in die Nähe der Hauptstadt Mombasa durch. Beide bevorzugen Reisen, bei denen die Erholung nicht durch tolle Erlebnisse, neue Anregungen oder interessante Urlaubsbekanntschaften erfolgt, sondern durch Nichterkrankung, körperliche Ruhe und keine Gewichtszunahme. Kurz gesagt: KEIN-ERLEBNIS-REISEN. Das proklamierte Ziel verfolgen sie eisern. Schön ist, wie man ihnen die deutsche Art anmerkt, sie stundenlang vor dem künstlichen Pool der Ferienanlage sitzen, mit ihrem Körper unzufrieden sind und lästernd feststellend die Urlaubsgäste betrachten. Ach ja, dabei ist auch eine Menge Alkohol, Männerträume und Spielfreude im Casino dabei. Am Ende wirds sogar noch spannend, da die beiden mitten in den Strudel der Gewalt nach den Wahlen in Kenia geraten.
Dabei ist das Reisepaar ungleicher als gleich. C. der Wert auf Pünktlichkeit legt, maßvoll und taktisch ist und Heinz, der Termine verschläft, den Kopf voller Schweinereien hat und faul ist. Zitatanfang. C. ist zugleich jemand der nicht fragt, sondern befragt. Er lädt auch gerne ein, allerdings werden Einladungen grundsätzlich nur dann ausgesprochen, wenn sie ihn nichts kosten.

“Darf ich dich einladen, mich an den Pool zu begleiten? Darf ich dich einladen, mit mir gemeinsam das Mittagessen einzunehmen?” Der Gipfel C.’scher Einladungskultur: “Darf ich dich einladen, einen Blick aufs Meer zu werfen?” Zitatende.

Es ist einfach wundervoll, dass doppelt so alte Menschen noch genauso ticken wie man selbst. Das schafft Beruhigung und Anerkennung. Manchmal auch nur unbewusst.

Wunderschön ist, wie Heinz(i) sich über die anstehende Reise informiert:

Und auch live abgeht wie ein Schnitzel:

By the way: Heute wird 2-monatiger Aufenthalt gfeiert…

One Response to In Afrika

  1. Kalle

    Das Gefaellt mir Button Plugin waere super. Oder ist mir der Button entgangen?

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